''Dudu'' sucht Familie
Das operative Protokoll zwischen BSB, AiBi und der Vereinigung der Pflegeeltern Südtirols wurde kürzlich unterzeichnet. Damit will man die Familienanvertrauung auf Stadtebene fördern.
Am 11. Mai findet in der Similaunstraße 26 ein Informationsabend für Familien und Singles (ohne Altersbegrenzung) statt, die an der Pflegeelternschaft interessiert sind. Beginn um 20.30 Uhr.
In Bozen gibt es noch viele Minderjährige, für die es schwierig ist, Pflegeeltern zu finden. Dabei ist es gerade für diese Kinder wichtig, eine Zeitlang Zuneigung, Aufmerksamkeit und Stabilität zu erfahren – Emotionen, die ihnen aus verschiedenen Gründen in ihrer Herkunftsfamilie gefehlt haben. In der Datenbank der Beratungsstelle für Familienanvertrauung des BSB in Bozen scheinen zahlreiche Familien und Singles auf, die sich als Pflegepersonen zur Verfügung stellen. Doch sehr oft ist diese Bereitschaft auf bestimmte Stunden am Tag oder Wochentage begrenzt, weshalb sie für eine kontinuierliche und stabile Beziehung und Obhut nicht in Frage kommen. Derzeit befinden sich in Bozen 92 Minderjährige „in Pflege“, 41 davon in einer Teilzeit-Situation, einige Stunden am Tag oder an bestimmten Wochentagen. Die restlichen 51 Kinder leben bei ihren Pflegefamilien. Bei den Teilzeit-Pflegesituationen handelt es sich vielfach um Kleinkinder, z.B. von ausländischen alleinstehenden Frauen, die einer Schichtarbeit nachgehen und keine andere Lösungen parat haben, für die also Kinderhort und Tagesmütter nicht in Frage kommen. Das Durchschnittsalter steigt auf 10-11 Jahren bei Kindern in Vollzeit-Anvertrauung. Gerade für diese großen Kinder ist es schwierig, eine geeignete Pflegefamilie zu finden.
Familienanvertrauung: Weder Arbeit noch Hobby
Ein Kind anvertraut zu bekommen, bedeutet ganz im Gegenteil ihm das Herz mehr als die Wohnungstür zu öffnen. Minderjährige, die in Pflege gegeben werden, haben eine Herkunftsfamilie, erhalten aber von ihren leiblichen Eltern nicht die nötige Nestwärme und Erziehung, sei es weil diese Eltern krank sind, Abhängigkeiten aufweisen, Probleme mit der Gerichtsbarkeit oder verschiedene soziale und/oder finanzielle Schwierigkeiten haben. Die Bindung zwischen Eltern und Kindern ist trotzdem groß, weshalb man bestrebt ist, den Kontakt aufrecht zu erhalten. Ziel der Familienanvertrauung ist es, minderjährigen Kindern und Jugendlichen eine familiäre Umgebung zu geben, die für eine gesunde und harmonische Persönlichkeitsentwicklung förderlich ist. Die Hoffnung auf Besserung der Situation in der Herkunftsfamilie bleibt aufrecht, so dass die Pflegeelternschaft immer eine „Lösung auf Zeit“ darstellt. Die Pflegeeltern ersetzen nicht die leiblichen Eltern wie dies bei einer Adoption der Fall ist. Im Gegenteil: Wo möglich, ist man bestrebt, einen dauerhaften Kontakt zwischen Pflegeeltern und Herkunftsfamilie aufzubauen und zu pflegen. Dabei werden beide Seiten von einer Sozialassistentin unterstützt, die Kind und Elternpaare auf ihrem Weg der Anvertrauung begleitet, während der gesamten Pflegezeit. Gewöhnlich dauert die Pflegeelternschaft nicht länger als zwei Jahre, doch diese Form der Familienanvertrauung kann auch länger dauern und wird auch meist verlängert. Der Erfolg einer Familienanvertrauung hängt entscheidend davon ab, ob und wie der/die Minderjährige wieder in seine/ihre Ursprungsfamilie zurückkehrt - das eigentliche Ziel dieser sozialen Maßnahme.
Ein weiterer Aspekt, den es zu unterstreichen gilt, ist die Tatsache, dass die Anvertrauung nicht als „Arbeit“ betrachtet werden kann: Klar gibt es Steuervorteile und einen kleinen Spesenbeitrag für die Pflege, doch ein Kind in die eigene Familie aufzunehmen ist weit mehr: Sinn und Zweck einer Familienanvertrauung ist es, dem vernachlässigten Kind genau die Zuneigung, Unterstützung und Sicherheit zu geben, die es für sein Heranwachsen braucht und die es bisher oder letzthin so vermisst hat. Pflegeeltern, die diese Erfahrung bereits gemacht haben, berichten davon, dass diese Aufgabe verantwortungsvoll, aber sehr befriedigend sei und das Wachstum der eigenen Familie sehr gefördert habe. Der abverlangte Einsatz ist groß, egal ob man dabei eine Fulltime- oder Parttime-Anvertrauung anstrebt: Kontinuität und Geduld sind wesentlich für das Schaffen einer stabilen Beziehung, vor allem für Kinder, die großes Leid erfahren haben. Darum darf die Anvertrauung auch nicht als Hobby betrachtet werden, wie edel die Grundeinstellung auch immer sei.
Mehr Synergien zwischen öffentlicher Hand und privatem Sektor dank des gemeinsamen Handlungskatalogs
Um gemeinsam Maßnahmen im Sinne der Familienanvertrauung in Bozen planen und weiterbringen zu können – von der Suche nach Pflegefamilien über die Begleitung der Anvertrauung bis hin zur Unterstützung der Pflegefamilien – haben der Betrieb für Sozialdienste Bozen, die Vereinigung Amici die Bambini AiBi und jene der Pflegeeltern Südtirols ein Einvernehmungsprotokoll unterzeichnet, das das Ziel verfolgt, die Zusammenarbeit zu stärken, die Kompetenzen abzuklären und die Synergien zwischen diesen handelnden Partnern bestmöglich zu nützen. Dabei spielt das Prinzip der Subsidiarität der öffentlichen Verwaltungen eine große Rolle.
AiBi kümmert sich hauptsächlich um die Sensibilisierung der BürgerInnen und der Bozner Familien für die Probleme der Kinder in unserer Gesellschaft, über Informationsabende in den verschiedenen Stadtvierteln. Diese Vereinigung bietet eine Erstberatung für interessierte angehende Pflegeeltern.
Die Beratungsstelle für Familienanvertrauung des BSB hat seit 2006 ihren Sitz in der Mendelstraße 121/1; diese kümmert sich um die Bewertung der Familien oder angehenden Pflegeeltern und Singles und arbeitet dazu mit einem Team von Psychologen und Sozialassistenten der Familienberatungsstellen AIED, MESOCOPS und P.M. Kolbe zusammen. Diese Pflegefamilien und interessierte Personen werden in einer eigenen Datenbank aufgenommen, aus dieser werden jene Pflegeeltern gesucht, die den Bedürfnissen der betreffenden Kindern am meisten entgegenkommen.
Die Vereinigung der Pflegeeltern Südtirols bietet hingegen eine ganze Reihe von Unterstützungsmaßnahmen und Beratungen für die Pflegeeltern an, samt Austauschmöglichkeiten mit anderen erfahrenen Familien.
Infoabende: Nächster Termin am 11. Mai in der Similaunstraße 26
Wer nähere Informationen möchte, kann an einem der Infoabende teilnehmen, die für 2009 geplant sind. Alle Abende tragen den Titel „Aufnehmen, um aufgenommen zu werden“. ReferentInnen sind Fachleute der Beratungsstelle für Familienanvertrauung, des Vereins AiBI und des Vereins Pflegeeltern Südtirols neben VertreterInnen des Bewertungsteams und einigen Pflegeeltern mit langjähriger Erfahrung.
Es wird daran erinnert, dass es keine Alters- und meldeamtlichen Einschränkungen für den Status als Pflegeeltern gibt, dass verheiratete und nicht verheiratete Paare gleichermaßen sich melden könne, mit und ohne eigene Kinder, auch Singles.
Das nächste Treffen findet am 11. Mai um 20.30 Uhr im Sitz von Svi.co.Land statt (Similaunstraße 26), dank Unterstützung des Vereins La Vispa Teresa.
Nähere Infos:
Beratungsstelle für Familienanvertrauung BSB
Shalini Durante
Mendelstraße 121/1 - Bozen
Tel. 0471 912449
AiBi, Amici dei Bambini
Paola Cozza
Eisackstraße 6 - Bozen
Tel. 0471 301036