BSB-Sozialbericht 2008

2009-038 | 03/08/2009



Ein Jahr der Qualitätssicherung und voller Veränderungen hin zu einem “Markt” der Hilfsleistungen für pflegebedürftige Personen. Und unverkennbare soziale Folgen einer wirtschaftlichen Krise.

Heute Vormittag haben die Stadt Bozen gemeinsam mit ihrem Betrieb für Sozialdienste Bozen den BSB-Sozialbericht 2009 im Rathaus vorgestellt. Anlass, um jährlich Bilanz zu ziehen und die Zahlen, Tätigkeiten, und Strategien vorzustellen und zu überdenken. Vorausgeschickt: Die Daten beziehen sich auf Leistungen und Tätigkeiten aller stakeholders, folglich Stadtverwaltung, Landesverwaltung, Gesundheitsbetrieb, Vereine und Genossenschaften im Sozialsektor neben den BSB-eigenen Angestellten, aber auch den ehrenamtlichen HelferInnen und den NutzerInnen der Dienste, den BürgerInnen also. Umso bedeutender sind die Ergebnisse des Berichts.

Der Sozialbericht ist folglich ein wichtiges Werkzeug für jede sozialpolitische Maßnahme, indem er einen Spiegel vorsetzt und die Bedürfnisse der BürgerInnen deutlich macht, auch die Veränderungen und Umbrüche in der Gesellschaft.

Im Jahr 2008 konnte der hohe Qualitätsstandard der Dienste gehalten werden, wie aus den regelmäßigen Erhebungen und BürgerInnenbefragungen von CityMonitor hervorgeht. Die Stadt Bozen erhält gerade für ihre Sozialdienste Bestnoten auf nationaler Ebene. Im Bereich der Kleinkinder ist die Anzahl der Betreuungsplätze höher als die Landesparameter vorsehen.

Das Jahr 2008 wurde außerdem vom Inkrafttreten des Landesgesetzes zur Pflege (LG 9/2007) bestimmt. Dieses hat die Rolle des BSB im Rahmen der Pflege und Begleitung von Senioren neu gezeichnet, indem sie den Betroffenen die Wahl überlässt über die Form der Betreuung: öffentlich oder privat. Das Pflegegeld wird auf der Grundlage der benötigten Pflege (Selbstständigkeitsgrad) vergeben. Der BSB ist diesem Jahr des Wandels mit der nötigen Flexibilität und Effizienz begegnet.

In der Folge die wichtigsten Daten aus dem BSB-Sozialbericht 2008:

Kosten und finanzielle Ressourcen
Die laufenden Kosten sind insgesamt um 6,8% gestiegen, von 64.788.054 Euro im Jahr 2007 auf 69.208.021 Euro im Jahr 2008. Die Erhöhung liegt im Trend mit den Steigerungen der letzten Jahre. Der Zuwachs von 4.400.000 Euro ist wie folgt zu erklären: 2.800.000 Euro für wachsende Personalkosten der 906 Angestellten (753 Stellen am 31.12.2008). Das sind rund 50% der Gesamtkosten. Es folgen die Kosten für Dienstleistungen und NutzerInnen (38% insgesamt).
Die laufenden Gesamtkosten werden zu 51% vom Land, zu 16% von der Stadtgemeinde, zu 16% vom Gesundheitsbetrieb, zu 14% von Spesenbeteiligungen der NutzerInnen un zu 3% von anderen Einnahmen gedeckt.

Kosten für die Dienste und Wirtschaftskrise
Die Kosten für die Sozialleistungen sind insgesamt um ca. 1.400.000 Euro gestiegen, davon sind allein 450.000 Euro dem Anstieg an finanzieller Beihilfe anzulasten (genauer: von 4.531.988 Euro auf 4.982.579 Euro) – Auszahlung des Mindesteinkommen, Mietbeihilfe und Sonderleistungen. Dieses Kapitel hat ab Juli 2008 einen sprunghaften Anstieg verzeichnet, als Folge der Wirtschaftskrise. Im laufenden Jahr ist es zu weiteren bedeutenden Anstiegen gekommen. Im Jahr 2008 haben 1.769 Personen eine finanzielle Unterstützung erhalten, 135 mehr als im Vorjahr. Der Hauptgrund ist ein zu niedriges Einkommen aus Erwerbstätigkeit und eine steigende Arbeitslosigkeit von über drei Monaten. Der Bereich der finanziellen Leistungen im Sozialbereich nimmt allerdings nur 9% der Gesamtkosten ein.

Die finanziellen Ressourcen im Dienst der NutzerInnen
Groß war der Einsatz bei der Erhaltung der Dienste für die BürgerInnen: Das kostenaufwendigste Kapitel stellen die Betreuungsmaßnahmen für Senioren dar (44% der Gesamtkosten), gefolgt vom Bereich Handicap und psychische Beeinträchtigung (18%) und vom Bereich Kleinkindbetreuung (11%).

Neue Dienste: Minderjährige, Menschen mit Behinderung, Senioren
Unter den im Jahr 2008 entstandenen Diensten finden sich die Sommerbetreuung für Autismus-PatientInnen, die Notaufnahmen für Senioren in der Villa Harmonie und die Wohngemeinschaft für Minderjährige „Il Focolare“.

Die Herausforderungen der Zukunft
Aus einer Analyse der hervorgetretenen Bedürfnisse wird deutlich, dass künftig alle, private und öffentliche Einrichtungen, sich weiter und vermehrt einsetzen müssen, um folgende komplexe Faktoren auszugleichen oder abzufedern: die wirtschaftliche Situation, die Beschäftigungsrate, die Krise der sozialen Beziehungen, die Veralterung der Gesellschaft und die Einwanderung. Das System der Sozialdienste wird zunehmend neue Unterstützungsformen finden müssen, nicht nur von finanzieller Unterstützung, sondern auch von Begleitung hinsichtlich der Arbeit, der Familie, der Vorbeugung. Vor allem letztere, die Prävention, darf trotz Konzentration auf die gravierenden und wachsenden Notlagen nicht außer Acht gelassen werden, um langfristig Krisensituationen gar nicht erst aufkommen zu lassen.

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